Eltern wehren sich gegen psychische Gewalt – e-mail an Schulkritik!
 

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Eltern wehren sich

gegen die Anwendung von psychischer Gewalt

Lehreraggressionen gegen Schüler (Teil 3)

Seit die physische (körperliche) Gewalt an Schulen verboten ist, scheinen viele Lehrer unbewußt oder vorsätzlich zur Erziehungsmethode der psychischen (auf die „Seele” wirkenden) Gewalt zu wechseln – mit gravierenden Folgen für betroffene Schüler und Eltern. Beschwerden sind nahezu sinnlos: die Täter genießen fast immer den Schutz von Schulbehörden, die jegliche Beweisführung blockieren.

 

Unbewußt oder vorsätzlich?

Wenn Kinder oder Jugendliche durch ihre Bezugspersonen (Eltern oder Erzieher) verängstigt und ihrem Selbstwertgefühl herabgesetzt werden, muß die psychische Verletzung (z. B. Verspottung, Mißachtung, Beleidigung, Bloßstellung, Isolierung, Unterdrückung) nicht mit böser Absicht geschehen. Allzu oft ist auch Gedankenlosigkeit im Spiel und der „Verursacher” bemerkt sein Fehlverhalten erst dann, wenn eine sichtbare Reaktion erfolgt (z. B. wenn das Kind weint). Hier besteht die Möglichkeit sofortiger Korrektur (Entschuldigung, Abminderung, Richtigstellung). Doch dies ist leider nicht die Regel: Verängstigung durch psychische Gewalt bewirkt vor allem Einschüchterung und Entmutigung, d. h. die Folgen sind nicht unmittelbar erkennbar und zudem von nachhaltiger Wirkung. Die betroffenen Minderjährigen fühlen sich hilflos ausgeliefert und sind im Gegensatz zu Erwachsenen nicht in der Lage, sich entsprechend zu artikulieren oder gar zu wehren.

Psychische Gewalt ist kein neues Phänomen und wird zweifellos sehr häufig angewandt – und zwar wesentlich häufiger, als man vermuten würde! Von Eltern wird oft verkannt, daß auch ein Übermaß an Zuwendung („erstickende Liebe”) wie auch das gegenteilige Verhalten (Vernachlässigung) und Orientierungslosigkeit (unzureichendes Aufzeigen von Grenzen) dazugehören. Und Lehrer verkennen, daß auch Überforderung in psychische Gewaltausübung ausarten kann. Schüler und Eltern beklagen sich zunehmend und auch ein Lehrer, dem es an pädagogischen Fähigkeiten zur Wissensvermittlung an Minderjährige mangelt und der die Eltern auf externe Studenten-Nachhilfe verweist, verursacht dauerhafte Schäden.

Ob die dramatische Berichterstattung über perfide und schwer faßbare Erziehungsmethoden auch an unseren Schulen eine Zunahme bedeutet oder durch die neuen Möglichkeiten des Informationsaustauschs (Internet) verursacht ist, sei dahingestellt. Welchen Anteil haben nicht zuletzt der vieldiskutierte „Wertewandel”, zunehmende Perspektivlosigkeit, Verrohung von Sprache und Umgangsformen, Vereinsamung, Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit auf die heutigen Erziehungsformen und -ergbnisse? Zumindest sollte es bedenklich stimmen, daß die gezielte und vorsätzliche Anwendung von psychischer Gewalt nicht unter „Einzelfälle” einzuordnen ist.

 

Konkrete Maßnahmen

Das wichtigste ist die umfassende Information und Aufklärung von Schülern, Eltern und Lehrern über psychische Gewalt in ihren Erscheinungsformen und Folgen.

Schüler, die von der Existenz entsprechender Erziehungsmethoden wissen und vielleicht sogar mit den verschiedenen Erscheinungsformen vertraut sind, können sie zumindest erkennen. Dies allein wäre ein gewaltiger Fortschritt: die „Opfer” sind auf einmal in der Lage, verfehlte Erziehungspraktiken (Erziehungsstile) mit Worten zu beschreiben, mitzuteilen und einzuordnen, die individuelle „Verarbeitung” würde ihnen erleichtert und ihr Selbstwertgefühl gestärkt. Eltern und Lehrer – die zu den potentiellen „Tätern” zählen – helfen die genaueren Kenntnisse, unbewußte Anwendung psychischer Gewalt zu vermeiden oder das Geschehene umgehend abzumildern. Dieses Bestreben ist bei den meisten Eltern und Lehrern zweifellos vorhanden.

Doch leider gibt es allzu viele andere Fälle. Problematisch wird die Situation, wenn Bezugspersonen psychische Gewalt zwar anwenden, diese aber entweder als angemessen bezeichnen und verteidigen oder aber abstreiten und verharmlosen. Solche Täter sind oft gleichzeitig Opfer – weil sie genauso handeln, wie sie es in ihrer eigenen Entwicklungsphase erlebten. Die Erziehungsziele früherer Zeiten, „Willen brechen” und später „antiautoritär”, hallen noch immer nach. Vorbild sind die eigenen Erzieher! Und das Verhalten der heutigen Eltern und Lehrer wirkt wiederum als Vorbild für unsere Schüler, Enkel, Urenkel …

Wenn jegliche Einsicht fehlt, Hilfs- und Therapieangebote ins Leere laufen, ist an wirksamere Maßnahmen zu denken. Bei Lehreraggressionen sind zunächst die Eltern gefordert, denn allein bei ihnen kann ein Schüler jenen Rückhalt finden, auf den er angewiesen ist. Und wenn die Eltern damit überfordert sind? Information und Aufklärung! Spezielle Hilfs- und Bildungsangebote für Eltern! Angeblich kein Interesse? Die hohen Auflagenzahlen der populären Erziehungsliteratur (Lebenshilfen) beweisen das Gegenteil!

Allgemein ist schnelles Handeln geboten. Schon nach den ersten Anzeichen, daß psychische Gewalt im Spiel sein könnte, sollte Klärung und Entlastung erfolgen. Der betroffene Schüler muß merken, daß man sich seinen Problemen widmet und er nicht alleine dasteht.

Nach Scheitern der üblichen Möglichkeiten (Gespräch, Gelegenheit zur Änderung) muß eine schriftliche Beschwerde erfolgen (Hierarchie einhalten oder auch direkt: Schulleiter, Schulamt, Kultusministerium). Eltern sollten aber nicht der Illusion verfallen, daß irgend etwas unternommen wird. Die Schulbürokratie hat in jahrzehntelanger Erfahrung mit unzähligen Beschwerden eine Vielfalt an Möglichkeiten (Beschwerdetechniken) entwickelt, diese abzuweisen. Zudem darf nicht vergessen werden, daß sie gegenüber Lehrern als Staatsbediensteten einerseits zur dienstlichen Fürsorge verpflichtet sind und andererseits alles bestritten wird, was bei einem Rechtsstreit zum Nachteil gereichen könnte – und ein solcher droht in nahezu allen Fällen!

Warum dann eine Beschwerde? Um den Vorwurf aktenkundig (!) zu machen! In der Regel bleibt es nämlich nicht bei einem einzigen Vorfall und wenn die Lehrerakte immer dicker wird, ist bei jeder Schulbehörde irgendwann der Punkt erreicht, an dem sie handeln muß. Ansonsten würde sich der zuständige Vorgesetzte der Gefahr aussetzen, selbst die Zielscheibe abzugeben. Auch wenn die Mühlen langsam malen: die nachfolgenden Schüler werden davon profitieren, weitere Eltern ermutigt und Lehrer mit ebensolchen Erziehungsmethoden dürften ihr Verhalten überdenken. Verbesserungen wären zumindest langfristig in Sicht!

Nicht alle Eltern sind in der Lage, sich auf diese Weise zu wehren. Einige haben auch Angst vor Repressalien. Ihre Sorge, daß Racheakte der Lehrer ihren Kindern zum Nachteil gereichen, ist keineswegs unberechtigt. Doch auch dieses Problem ist lösbar, heute mehr als je zuvor (Zivilcourage, Evaluation, Lehrerkritik). Bei der Einschaltung von „Verbündeten” (andere Eltern, Lehrer/Vertrauenslehrer, Ärzte, Elternvertretung, Öffentlichkeit) sollte einiges beachtet werden. Vorsicht ist selbst bei professioneller Hilfe (Schulpädagogen, Schulamt) geboten. Infos im Artikel „Streitschlichter in Schulen – Der große Bluff”.

Nachtrag

Das eigentlich überflüssige „Kleingedruckte” für die „Kleinkarierten”:

Selbstverständlich verabscheuen die meisten Lehrer die psychische Gewaltanwendung und schämen sich für schwarze Schafe in ihren eigenen Reihen! Ebenso wie die Mehrzahl der Schüler, wenn sie sich gegen Lehrer richtet!

Auch handelt es sich natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt aus dem Schulalltag: Eltern, Verwandte und alle übrigen Menschen sind ebenso beteiligt und mitverantwortlich. Nichts sei verallgemeinert und selbstverständlich reagiert ein jeder Mensch individuell.

Der Teilaspekt „Aggression” im Blickwinkel der pädagogischen Erziehung (Disziplinierung, Bestrafung…) und Verhaltensforschung ( Angst, Gewalt …) viel zu komplex, als daß er sich in wenigen Zeilen erschöpfend behandeln ließe. Interessierte Leser seien auf mehrere Regalmeter Fachliteratur und ergänzende Beiträge in Schulkritik verwiesen.

Und wenn von Lehrern die Rede ist, sind natürlich – und zwar überall in Schulkritik – gleichfalls die Lehrerinnen, bei Schülern die Schülerinnen gemeint. Da eine Vielzahl selbstbewußter Damen den „-innen”-Zusatz, welcher das Lesen erschwert, als eher störend empfindet, wird er weggelassen. Lehrerinnen mit geringerem Selbstbewußtsein sollten über das Fehlen weiblicher Formen großzügig hinwegsehen. Ergänzend sei bemerkt, daß in Deutschland rund zwei Drittel (68 %) der hauptberuflichen Lehrer weiblich sind (Anteil steigend!).

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pdf / E104 / 16.10.08

 



 

www.schulkritik.de (16.10.08)

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www.schülerkritik.de (16.10.08)

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